Sonntag, 15. Oktober 2017

der Villa Wahnsinn

Der Post Titel ist ein kleines Wort Spiel in Anlehnung der gleichnamigen Lokale in der Mitte der 90er Jahre.
Nein, kein Besuch in der Villa Wahnsinn, wir wollen in die Villa Morissolino in Trarego, Lago Maggiore.
Villa Morissolina
Und diese Villa ist schlichtweg der Wahnsinn.
Wie im letzten Jahr, wird unser Besuch durch das Dampfrad, ein Motorrad Forum, organisiert.
Dampfrad

Samstag, Anreise

Wir fahren auf eigene Faust nach Trarego. Leicht verspätet. Geplant war sieben Uhr, nun ist es halb acht. Auch kein Beinbruch.
Ab Sursee Autobahn bis Amsteg, ab da auf der alten Gotthardstrasse. So ist der Plan.
Kurz vor Sursee lichtet sich der Nebel


Ohne Stau erreichen wir Amsteg. Leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Die alte Passstrasse bis Wassen macht mega Spass. Vor uns eine Gruppe Aargauer und Zürcher.
Kurz vor der Abzweigung zum Susten fährt mir ein Maserati vor den Latz. Klar, so ein kleines Motorrad kann man schnell mal übersehen.
Der Maserati will auch über den Susten, leider. Fahrer und Fahrzeug können ausser Lärm nicht viel.
Auf den Geraden schnell, sehr schnell. Zu schnell zum überholen. Vor den Kurven dann wieder langsam, sehr langsam.
Nach einigen Minuten hat der Fahrer ein Einsehen, macht den Weg frei.

Teilweise ist die Fahrbahn feucht, lässt erkennen das auch schon mal gesalzen wurde. Wir fragen uns Glatteis ein Thema sein könnte, sind entsprechend aufmerksam.
Kurz nach neun stehen wir auf dem Pass.
Das Restaurant ist bereits im Winterschlaf .... also kein Frühstück auf dem Susten.



Es geht hinunter nach Innertkirchen. Kein Verkehr. Wir haben den Pass für uns alleine.
Auch hoch zum Grimsel ist um die Zeit noch wenig los.
Unsere Lieblingsbeiz wird wohl bereits geschlossen sein.
Also setzen wir den "Einkehrschwung" bei der ersten Gelegenheit an.

"Grüezi Fröilein, Kafi Gepfeli"
Jo, Nossgepfel esch au ok"
"Zwöi mol bitte"

Der Nussgipfel entpuppt sich als Nusstange. Staubtrocken. Egal, der Ausblick entschädigt.



Kurze Pause und weiter gehts.
Äne abe ond donde weder ufe.
Hoch zur Furka. Ein Traum.
Kurz vor Realp zwei ausländische Reisebusse. Ich kann überholen, Corinne hängt hinter den beiden fest.
"Biker 2 getrennt" vermeldet mein Helmfunk.
Einmal mehr nehme ich mir vor nach einer alternative Ausschau zu halten.
Vielleicht gibt es ja mittlerweile etwas besseres als unser Scala G9.
Sponsoren dürfen sich gerne melden.

Die Dicke vermeldet mal wieder Durst. Das Navi im Gegenzug das es wohl noch bis nach Airolo reichen wird.
Ich warte auf Corinne. Versuche die Verbindung zu ihr wieder herzustellen.
"Biker 2 verbinden"
"Nei, ned de Radio ischalte"
Lautstark quäkt es in meine Ohren
"Radio aus"
Das Scala wechselt den Sender. Auch nicht besser.
Irgendwann klappt es. Auf mein "Hallooo" meldet sich Corinne. Sie sei hinter mir.

Wir fahren hoch zum Gotthard, biegen ein auf die Tremola. Die alte Passstrasse hinunter nach Airola besteht zu einem grossen Teil aus Kopfsteinpflaster und ist eine dankbare alternative zur heutigen Passtrasse.



In Airolo wird getankt und das eine oder andere warme Kleidungstück gegen etwas luftigeres getauscht. Es geht bis Bellinzona auf die Autobahn.
Ab Ausfahrt Bellinzona Süd auf die gefürchtete Via S. Gottardo, bzw. Via Cantonale.
Gefürchtet, da sich hier in den Sommermonaten der Verkehr bis zum Kreisel "Cadepezzo" für gewöhnlich staut.
Heute passt es. Kein Stau.
Statt Richtung Locarno fahren wir links Richtung Vira, also linkes Ufer des Lago Maggiore.
In Vira beginnt die Passtrasse über die Alpe di Neggia.
Übrigens Bestandteil des FMS Pässewettbewerbs.

(Blick hinüber ins Verzascatal)



Hinunter, durch kleinste malerische Ortschaften erreichen wir, mittlerweile in Italien, Maccagno.
Richtigerweise heisst es seit 2014 Maccagno con Pino e Veddasca.

Entlang des Laggo Maggiore, zuerst durch Luino, erreichen wir Laveno-Mombello.
Der Verkehr seit einiger zeit mehrheitlich auf 50 Kmh. eingebremst, bleibt ausreichend Gelegenheit ab und zu einen Blick auf den See und das gegenüberliegende Ufer zu werfen.
Irgendwo da drüben liegt Trarego und die Villa Morissolina.

Für uns heisst es kurz warten. Warten auf die Fähre hinüber nach Verbania. Wir lernen zwei Schweizer Motorrad Fahrer kennen. Ebenso begeistert vom tollen Wetter wie wir. Auch sie kommen von der Alpe di Neggia.

Auf der Fähre macht sich etwas Müdigkeit bemerkbar. Es ist mittlerweile kurz vor vier. Mit kleinen Unterbrüchen sitzen wir seit gut 8 Stunden auf den Böcken. Irgendwann ist dann auch einfach mal gut.





Trotz Müdigkeit, immer noch guter Laune.

In Verbania das üblich "Puff".
Die vielen Fahrzeuge aus der Fähre, welche sich in die Ortschaft ergiessen auf der einen Seite.
Auf der anderen, die vielen Touristen die noch kurz die Strassenseite wechseln wollen.
Daneben all die Einheimischen Roller- und Motorradfahrer, für die eine Sicherheitslinie oder eine Sperrfläche in der Mitte der Strasse einzig ihre ganz persönliche Freifläche zum überholen markiert.
"Muesch em Fall uhuere ufpasse... kennsch?"

Entlang des Sees nochmals eine Geduldsprobe. Ein Schweizer, unterwegs mit 48, im 60iger.
"Schööön die Landschaft gäll"
"Aber wörsch trotzdem chli fahre?"

In Cannero der "U-Turn" links in die Strasse nach Trarego hinein.
Nochmals ein kleiner Leckerbissen in punkto Aussicht und Kurven.

Nur Michel ist noch vor uns in der Villa. Sitzt schon beim Bier.
Caroline sieht uns unseren Durst wohl an. Frägt nur nach Anzahl und Grösse.
"Prost zäme"
Herrlich, das erste schmeckt immer am besten.


So nach und nach tauchen die anderen auf.
Wer, wie, wo lang? Erfahrungen und Erlebnisse der Fahrt werden ausgetauscht.
Langsam macht sich Hunger bemerkbar.
Noch kurz unter die Dusche, umziehen und zu Tisch.


Thomas hat wieder gezaubert. Das Essen ist schlicht der Wahnsinn.
Wir sitzen in gemütlicher Runde am Tisch und geniessen was da serviert wird. Zum Abschluss noch einen Grappa. Bereits ist es Zeit schlafen zu gehen.
Mir fallen ehrlich gesagt beinahe die Augen am Tisch zu. Corinne ist noch erstaunlich fit.

Sonntag, Heimfahrt




Ein herrlicher Sonnenaufgang beim Blick aus unserem Zimmer.
Ein paar "Dampfradler" sitzen bereits beim Frühstück.
Der eine oder andere Kopf scheint noch etwas schwer.
Grappa?

Erstaunlicherweise habe ich bereits wieder Hunger. Wir nehmens gemütlich und geniessen.
Ein paar unsere Gruppe wollen noch an den Markt in Cannobio, andere direkt auf den Heimweg.
Wir werden auch heute wieder alleine fahren, haben noch den einen oder anderen Umweg auf dem Plan.

"Tschüss zäme, het meeega Spass gmacht."
" Händ Sorg bem fahre".

Bis wir uns auf den Weg machen ist es knapp vor elf Uhr. Zugegeben, etwas sehr spät.
Wir fahren Richtung Cannobio und weiter heinein ins gleichnamige Tal.
Ich sehe noch eine Tafel mit einem Fahrverbotszeichen und etwas in der Art von "Transit" vorbei huschen.
Auch Corinne hats nicht genau gesehen.
Wir werden sehen was es zu bedeuten hat. manchmal sind in Italien oder Frankreich Strassen gesperrt.
Das heisst nicht in jedem Fall das man nicht durchfahren darf oder kann.
Manchmal bedeutet es auch,
"wenn im Fall uf d Frässe flügsch besch sälber gschuld"
"Chom de eifach ned cho Lätsche"

Aber nach einem vielversprechenden Anfang mit tollen Kurven ist tatsächlich Schluss.


Endstation Felssturz. Hier führt für uns kein Weg daran vorbei. Die Strasse wird wohl noch längere Zeit gesperrt bleiben.

Es bleibt nichts anderes übrig als kehrt zu machen, zurück nach Cannobio, dem See entlang nach Verbania und von dort aus weiter Richtung Simplon.
Unterwegs begegnen uns die zwei Motorradfahrer von gestern auf der Fähre. Sorry Jungs.... wir konnten euch nicht warnen.
Gibt es ein Internationales Zeichen für "Strasse gesperrt, dreht um"?


Wir werden entschädigt durch tolle Ausblicke auf den See. Glücklicherweise herrscht wenig Verkehr.

Der Simplon ist Landschaftlich zwar schön, die Strecke über den Pass jedoch eher uninteressant.
Zumindest man auf der E62 bleibt




Unterhalb der Passhöhe bietet sich eine Gelegenheit die "Autobahn" über den Pass zu verlassen.
Hier machts mehr Spass.
Bis Visp nehmen wir anschliessend den direktesten, schnellstmöglichen Weg. Hinein ins Tal Richtung Saas Fee und Zermatt.
In Stalden zweigt die Strasse rechts ab nach Törbel, über die Moosalp nach Bürchen.
Wir lieben dieses Pässchen.



Auf der Passhöhe gibts feine Raclette. Aber nicht heute. Der Parkplatz vor den beiden Restaurants übervoll. Die Aussicht auf einen freien Platz auf einer der Terassen eher unwahrscheinlich.
Wir fahren direkt weiter, wieder hinunter ins Rhonethal. Vorbei an Leuk und weiter bis Riddes. Teilweise auf der Autobahn.
Ich freue mich auf den "Croix de la Coeur" ... ein Übergang von Riddes nach Verbier. Zu einem guten Teil Naturstrasse.
Aber alleine die Strasse nach La Tzouma wo die Naturstrasse beginnt, ist ein absoluter Genuss.
Wir lassen es krachen. Immer mal wieder einen Blick ins Tal riskierend.
Herrlich.

Leider entpuppt sich der Weg zum Croix de la Coeur als Griff ins Klo. Zumindest gut die Hälfte bis hoch zum Pass wurde zu Tode gesplittet.
Was früher Naturstrasse war, wurde unter Tonnen von Split verschüttet.


Erst das letzte drittel ist noch so wie wir es kennen.



Die wenigen letzten verbleibenden Meter Naturstrasse geniesse ich entsprechend.
Oben auf dem Pass machen wir halt.
Das Restaurant hat noch auf.

Die Schatten werden länger. Noch ist hier oben Sonnenschein, Die Täler jedoch bereits im Schatten.



All zu lange dürfen wir uns nicht mehr Zeit lassen, wollen wir die letzten zwei Pässe nicht in völliger Dunkelheit befahren.
Auch die Strasse hinunter nach Verbier ist längst keine Naturstrasse mehr. Schade. Mir hats früher besser gefallen.

In Martigny fahren wir auf die Autobahn auf, stehen alsbald im Stau. Geduld ist gefragt.
Klar, man könnte überholen, in der Mitte der beiden Fahrzeug Kolonnen währe genügend Platz.
Erlaubt ist es klar nicht. Wir lassen es ... zumindest heute.
Haben ja nicht so weit, bis zur Ausfahrt nach Ollon und hoch zum Col de la Croix.
Noch einmal kurz tanken und ab gehts.
Kein Mensch auf der Strasse. Hoffentlich auch keine Tiere. Die Zeit dafür wäre es.

Etwas unterhalb der Passhöhe der Blick hinüber zum Col du Pillon.
Noch ist es hell genug, ab da dann wohl dunkel.


Egal, dunkel hin oder her, wir geniessen das Abendrot, das Dämmern.


Mit dem letzten Tageslich fahren wir über den Col du Pillon und hinunter nach Gsteig. Nun sind wir in völliger Dunkelheit unterwegs.
Für Corinne ein Novum. Soweit ich mich erinnere war sie noch nie Nachts unterwegs.
So lange die Kurven nicht zu eng sind reicht die Ausleuchtung. Werden sie enger, so herrscht auf der Kurven innen Seite Dunkelheit.
Ich mags nicht besonders.

Vorbei an Gstaad, Schönried und Zweisimmen begegnet uns kaum ein andere Verkehrsteilnehmer. Kein Gefühl für Zeit würde ich schätzen es sei mitten in der Nacht. In Wahrheit ist es kurz nach acht.
In Wimmis auf die Autobahn, sind wir nach kurzer Zeit in Bern.

"Biker 2 getrennt"
An Corinnes Headset ist der Akku leer.
Die Meldung fühlt sich nicht gut an.
Ein seltsames Gefühl.
 Auf der weiteren Fahrt herrscht dichter Verkehr. Von Staus bleiben wir jedoch verschont.
21:38 Uhr erreichen wir unsere "Home Base".

Zwei supertolle Tage mit herrlichem Wetter, traumhaften Strassen und meeeg tollem Essen sind Geschichte.
Dem organisierenden Dampfrad Team und den Teilnehmern herzlichen Dank.
Es hat Spass gemacht mit Euch.

Thomas und Caroline herzlichen Dank für die Bewirtung und dickes Kompliment für das sensationelle Essen.

GPX Datei zum downloaden

Sonntag, 17. September 2017

3 Tage in Edinburgh

Zum 50. Geburtstag erhalte ich ein tolles Überraschungs Geschenk von meinen Arbeits Kollegen.
Ich darf ans Edinburgh Military Tattoo.
Viele wissen es bereits, Corinne und ich besuchen regelmässig das Tattoo in Basel.
Sind begeistert von der Musik und den Darbietungen der diversen Bands.

Das Geschenk beinhaltet die Übernachtung in einem tollen Hotel, direkt an der Royal Mile und den Eintritt ans Tattoo.
Also machen wir uns an die Arbeit und suchen einen passenden Flug nach Edinburgh.
Keine einfach Übung.
Es gibt diverse Flüge via London, auch günstige.
Aber irgendwie will nichts so recht zusammen passen mit unseren Reise Daten.
Unser Hotel ist gebucht von Freitag bis Sonntag, bereits seit einem Jahr.
Was wir an Flügen finden, startet ab Zürich entweder Freitag Abend zu einer Unzeit, oder ist sacke teuer. Auch auf einen Rückflug am Sonntag Morgen um sieben Uhr Ortszeit haben wir keine Lust.
Und dann gäbe es noch Flüge die zwar passend am Freitag Morgen starten würden, wir aber entweder in London für den Weiterflug den Flughafen wechseln müssten.
Quasi einmal quer durch London.
Weitere Möglichkeit, sieben Stunden Aufenthalt auf dem Londoner Flughafen.
Also auch keine Option.

Es ist zum Mäuse Melken.
Erst die Idee, einen weiteren Tag anzuhängen bietet Abhilfe. Freitag bis Montag also.
Ganz neue Möglichkeiten eröffnen sich. Auch direkt Flüge ab Zürich. Nonstop notabene.
Leider erhalte ich vom gebuchten Hotel keine Antwort auf die Frage um eine zusätzliche Nacht.
Booking bietet Abhilfe.
Wir waren schon einmal in diesem Hotel. Im 2016 haben wir Edinburgh bereits einmal bereist.
Damals hats waagerecht geregnet... wir erinnern uns, machen Witze, wie wir damals "pflotschnass" vor dem Pub gesessen haben bei Bier und Chips.
Dennoch, das Hotel war eigentlich cool.
Zahlbares Zimmer für die Nacht von Sonntag auf Montag?
"Do you have one?"
"yes, they have"
Edinburgh, wir kommen.

Wir fliegen mit Edelweiss, Fensterplatz. Landen pünktlich im regnerischen Wolken verhangenen Edinburgh.


Transfer mit Tram direkt vom Flughafen ins Zentrum.
Prima, machen wir.
Der Transfer dauert eine gefühlte Stunde. Die Tram hält buchstäblich an jedem zweiten Briefkasten.
Je näher wir dem Zentrum kommen kommt noch Stau dazu, eine Tram fährt ja mitten auf der Strasse.
Irgendwann wirds mir zu bunt.
Ich will raus.


In Edinburgh ist die Hölle los.
Fringe, ein Festival das jeden Sommer rund 3 Wochen dauert. Apropos Sommer, es ist 12 Grad.
Aber was ist Fringe?

For three weeks in August the Edinburgh Festival Fringe opens the doors, streets and alleyways of an entire city to an explosion of creative energy from around the globe.

Wers genauer wissen will, hier der Link
Für uns bedeutet Fringe extrem viele Leute auf Strassen, Plätzen und vor Fussgänger Querungen.
Wir mitten drinn mit unseren "Roll Köfferli"
Es regnet.
In Edinburgh regnet es irgendwie anders als an anderen Orten.
Wenn es in Edinburgh regnet wird man richtig nass.
Nicht einfach so ein wenig nass. Pflotschnass eben.
Ich bin ganz leicht genervt.
Iphone in der Hand, suchen wir unser Hotel.
Wie schon beschrieben, unser Hotel ist mitten auf der Royal Mile. Fringe auch. Fringe ist über die ganze Stadt verteilt, hauptsächlich aber auf der Royal Mile.

Wir sind also mitten drinn, kämpfen uns durch die Menge.
Und ebä, es seicht!

Wir stehen in der Lobby des Hotels, tropfen fröhlich vor uns hin.
Unser Zimmer seien leider noch nicht bereit, man sei sehr traurig über diesen Umstand, würde uns dafür erstmal gerne den Hausdrink anbieten, uns zum Abendessen einladen.
Der Hausdrink ist etwas mit Gin, schmeckt hervorragend. Wir stehen wie begossene Pudel, den Hausdrink in der einen, den Koffer in der anderen Hand, in der Lobby.
Noch einmal werden wir über die Zimmer Situation, die Einladung zum Abend Essen und die Möglichkeit zu weiteren Hausdrinks aufgeklärt, diesmal vom Chef persönlich.
Beim zweiten Gin finden wir die Situation bereits ziemlich erträglich.
Nass sind wir zwar immer noch, umziehen würden wir uns gerne, wo auch immer, aber Abendessen hier im Hotel? Eher nicht.
Wir würden eigentlich gerne draussen in einem Pub, vielleicht im selben wie im letzten Jahr essen.
Das hatt uns damals sehr gut gefallen.
Sie hätten jetzt ein Zimmer, jemand reise später an, wir könnten dieses haben, es sei dieselbe Kategorie wie das ursprünglich gebuchte, wenn wir wollen.
Wir wollen. Und wie.
Die Einladung bestünde selbstverständlich weiterhin und man entschuldige sich nochmals für die Unannehmlichkeiten.
Was für ein Drama. Wir haben gerade mal eine halbe Stunde und zwei Gin gewartet.
Alles gut.
Nun schnell aufs Zimmer.
Wow, sehr schön.
Umziehen und raus.

Fringe ist ein Festival der Gaukler, Komödianten, Schauspieler, Musiker und allen weiteren die sich berufen fühlen in irgendeiner Form Publikum zu unterhalten.




Die einen könnens besser, die anderen weniger. Die einen Profis, die anderen eher weniger.
Die Bandbreite reicht wohl bis runter zu kleinen Grüppchen von Schulklassen die singen, tanzen, trommel, was auch immer.
Spass haben sie alle.




Der eine oder andere bunte Vogel ist auch dabei.




Wir kämpfen uns erneut durch die Menge, bleiben das eine oder andere Mal stehen, staunen, spötteln, lachen, sind auch ein wenig Fringe.
Versuchen einen Platz vor einem Pub zu ergattern, haben Durst und wollen Leute schauen.
Kein einfaches Unterfangen.


Freie Plätze sind Mangelware. Zusätzlich beginnt es wieder zu regnen. Im richtigen Moment am richtigen Platz ist alles.
Wir sitzen und staunen.


 Langsam macht sich ein Hüngerchen bemerkbar. Wir gehen also auf Futtersuche. Suchen "unser" Pub vom letzten Jahr. Wissen das da irgendwo sein muss.
Durch die vielen Leute sieht heute alles ein wenig anders aus wie vor einem Jahr.
War es wirklich so weit unten auf der Royal Mile.
"Worlds End" hat es geheissen, klein war es und auf der rechten Strassenseite.
Voila, da ist es ja.
Wir sitzen auf den zwei gleichen Stühlen, am selben Tisch wie vor einem Jahr. Die Karte verspricht die selben Burger, Onion Rings wie vor einem Jahr.
Einziger Unterschied, die Bedienung spricht deutsch, kommt aus Deutschland, lebt seit einem Jahr hier in Edinburgh.
Das Essen schmeckt, das Bier sowieso.
Wir geniessen den Abend.
Viertel nach irgendwas machen wir uns auf den Weg zu unserem Hotel. Mittlerweile ist die Royal Mile wie leer gefegt.
Noch kurz an die Hotel Bar, einen Hausdrink später im Bett.

Sonnenschein am Samstag Morgen. Heute Abend gehts ans Tattoo.
Wir freuen uns aufs Frühstück.
Im Preis nicht inbegriffen. Wir hätten die Wahl zwischen Hot Frühstück und Kontinental vom Buffet.
Wir fragen dreimal nach. Die Bedienung spricht dermassen schnell und unverständlich.
Irgendwann haben wirs dann begriffen, entscheiden uns für Kontinental vom Buffet.
Einmal mehr, je teurer das Hotel, je umständlicher das Prozedere beim Frühstück.

Wir sind wieder draussen auf der Royal Mile. Unglaublich die Menge an Leuten bereits am Morgen.
Wir buchen Tickets für eine Fahrt mit dem "Hop on, Hop off" Bus. Für die einen unsäglicher Touristen Mist, für uns ein brauchbares Mittel sich einen Überblich über die Stadt zu verschaffen.




Wir geniessen die Fahrt, lassen uns erklären wer wo wann was warum gebaut, abgerissen, neu eröffnet und was noch sonnst alles veranstaltet oder verursacht hat.
Es wird erklärt warum welche Strasse auch immer, ihren Namen hat, wer wo und wann enthauptet, ermordet, ertränkt oder verhaftet wurde.
Lustige, schaurige und Interessante Geschichten.

Eine davon ist die Geschichte um "Greyfriars Bobby".
Greyfriars Bobby lebte von 1855 bis am 14. Januar 1872 und war ein Terrier, also ein Hund.
Ein ziemlich keiner Hund sogar.
Bobby gehörte einem Polizisten. Nach dessen Tod habe Bobby die restlichen 14 Jahre seines Lebens, am  Grab seines Herrn auf dem Friedhof der Greyfriars Kirk, in der Altstadt von Edinburgh verbracht.
Es heisst, er habe seinen Platz nur zu den Mahlzeiten im nahe gelegenen "Coffee House" verlassen.
Er habe dies regelmässig nach dem abfeuern der "Ein Uhr Kanone" getan. Verfolgt von zahlreichen Schaulustigen.
Bobby starb schlussendlich im Alter von 16 Jahren und sei, obwohl verboten, ebenfalls auf dem Greyfriars Kirkyard beerdigt worden.




Ist die Geschichte nicht wahr, so ist sie jedenfalls gut erfunden.
Ähnliche Treue beschreibt Homer bereits über den Hund von Odysseus.


Selbstverständlich gibt es in unmittelbarer Nähe zum Kirkyard ein Pub welches den selben Namen trägt.
Wir lassen aber vorerst noch ein wenig die Stimmung auf dem alten Friedhof auf uns wirken.
Lernen das früher Gräber speziell vor Grabräubern geschützt wurden.
Nicht Gold und Silber, Schmuck und Perlen waren das Ziel der Grabräuber. Sie hatten es auf die Körper der Toten abgesehen.
Kurzerhand ausgegraben, wurden diese an die Medizinische Fakultät der Ortsansässigen Universität verkauft.




Wenige Meter aus dem Kirkyard sind wir wieder mitten im Trubel.



Wir geniessen das Farbenfrohe Spektakel, versuchen aber auch, uns langsam auf den Abend ein zu stimmen. Freuen uns auf Drums and Pipes. Sind gespannt was uns erwartet.


Rechtzeitig stehen wir vor dem Edinburgh Castle. Zusammen mit unzähligen anderen.
Die Arena ist beeindruckend. Noch einmal eine Nummer grösser als in Basel.
Wir haben Top Plätze geschenkt bekommen. Stirnseite, Mitte. Eine Grandiose Sicht auf die Darbietungen.
Den Foto Apparat habe ich bewusst im Hotel gelassen. Wollen uns nicht ablenken sondern einfach nur geniessen.
Es ist Arschkalt, ein unangenehmer Wind pfeift durch die Arena.
Was wir zu sehen bekommen gefällt uns. Highland Dancers, Pipes and Drums, Blasmusik, aufwendige komplizierte Marschier Vorführungen.
Wer sich an seine Militärzeit erinnert, wird wissen wie schwer diese Arte der "Zugschule" ist.
Wir sind nicht begeistert. Es gefällt uns, aber begeistert sind wir nicht.
Vielleicht sind unsere Erwartungen an das Original überhöht. Wir sind jedoch der Überzeugung das wir mit Basel die vielfältigeren Tattoos gesehen haben.
Irgendwie haben wir den Eindruck wir hätten insgesamt 3 "Bands" in verschiedenen Konfigurationen gesehen.
Nicht falsch verstehen. Nicht Edinburgh ist schlecht, Basel ist einfach besser. Wer Basel nicht kennt ist von Edinburgh begeistert.

Alles in allem geht ein toller Tag, mit tollen Begegnungen und einem schönen stimmigen Anlass in Form des Tattoos zu Ende.

Der Sonntag beginnt mit einem frühen Check Out im Hotel und einer Überraschung für Corinne.
Sie hat keine Ahnung was der Tag bringt.
Das Frühstück im Hotel lassen wir aus. Machen uns auf den Weg zu einer Bushaltestelle im neueren Teil von Edinburgh.
Kein Mensch auf der Strasse, es ist halb sieben Uhr.
Unterwegs noch kurz in einen Coffee Shop. Wir brauchen einen Kaffee und Kleingeld.
6.99£ genau genommen, Pro Person.
Soviel kostet das "Day Ticket" der Buslinie. Man kauft in Edinburgh entweder das Ticket in einer Vorverkaufsstelle im voraus, oder bezahlt den genauen Betrag im Bus. Dann aber wie gesagt den genauen Betrag. Im Bus gibt es kein Geld zurück.

Der Bus ist nicht ganz pünktlich, genau gesagt ist er sogar unsäglich verspätet, das am frühen Sonntag Morgen bereits.
Macht aber nichts. Ich habe genügend Zeit einberechnet.
Wir fahren hinaus aus Edinburgh, vorbei und teilweise durch kleine Ortschaften entlang der Küste.
Machen uns lustig über Ortsnamen wie "Musselburgh", "Longniddry" und "Aberlady". Müssen uns keine Sorgen machen das uns jemand dabei zuhört. Wir sind alleine im Bus.
Dieser holpert durch die Schottische Sonnige Landschaft.
Wir erinnern uns unterwegs, das wir auch schon mit unseren Motorrädern durch gefahren sind.
Seltsames Gefühl.
Wir erreichen "North Berwick".
Corinne hat noch immer keine Ahnung was sie erwartet. Stellt gezielt Fragen um mir zu entlocken was ich partout noch nicht preis geben will.

"North Berwick" ist ein hübsches kleines Städtchen. Pubs, Blumen Ampeln, alles da was so ein Schottisches Örtchen ausmacht.
Ich schlage einen kurzen Spaziergang am Strand vor. Es ist gerade Ebbe.



Noch ein kleiner Abstecher ins Städtchen... ich will mir immer noch nicht in die Karten schauen lassen.
Noch sind wir auch zu früh.


Im "North Berwick Seabird Centre" sind wir eigentlich am Ziel angekommen, hier gibt es erstmal ein kleines Frühstück auf einer Parkbank.
Wir schauen aufs Meer, geniessen die Sonne.
Corinne fragt ob wir Golfen gehen.
Nööö, gehen wir nicht.

Umziehen ist angesagt.



Eine Fahrt mit einem Speedboat un der Besuch der "Isle of May" steht auf dem Programm.
Die "Isle of May" ist ein Natur Reservat.
Ich hoffe wir treffen dort neben Vögeln aller Art auch endlich auf Robben. Corinne wünscht sich das schon soo lange.
Leider haben wir weder 2016 als wir in Schottland, Irland und England unterwegs waren, noch in diesem Jahr in Norwegen, Finnland und Schweden auch nur eine Flosse dieser Viecher gesehen.

Bei der Buchung wurde mir versichert, das sei kein Thema, Robben werden wir wohl sehen.
Aber wieso Robben? Die meisten Besucher kämen wegen der seltenen Vögeln.
Insbesondere wegen den "Puffins"

Nööö... Robi will Robben.

Wir sind etwa 30 Minuten unterwegs zur Insel. Und noch bevor wir anlegen, quasi im vorbei Weg. Eine Robbe.




Juhuuu... Ziel erreicht. Mein Tag gerettet.
Ich habe es mir so gewünscht für Corinne, das sie endlich Robben sieht.

Vögel hats auch auf der Insel, viele Vögel, hauptsächlich Möven. Puffins? Ja auch.
Nicht ganz so wie vorgestellt, aber immerhin.



Nochmals Robben



Überhaupt, die Insel ist ein Tierparadies. Der Besuch absolut Lohnenswert. Nicht zuletzt wegen der tollen Landschaft.






Gegen 15 Uhr machen wir uns auf den Rückweg. Freuen uns auf die erneute Fahrt mit dem Speed Boat. Alleine diese Fahrt ist ihr Geld wert. Wir steuern den "Bass Rock" an. Ebenfalls ein Naturschutz Gebiet.
Die Insel leuchtet weiss in der Ferne.


Wieso die weiss leuchtet wird uns klar wie wir näher kommen.
Die Insel ist bevölkert von unzähligen Vögeln und von.....
Scheisse!
Wir kommen noch näher und es beginnt zu stinken.

Vögel soweit das Auge reicht... und .... Scheisse, eine Unmenge an Vogel Scheisse.




Ein Regenschirm wär jetzt nicht falsch denken wir uns, blicken besorgt gen Himmel.
Wir haben Glück, die Vögel wissen was sich gehört.
Verschonen uns.

Zurück in "North Berwick" studieren wir den Bus Fahrplan für den Rückweg, entscheiden spontan noch etwas hier zu bleiben, schlussendlich auch im Pub etwas zu essen, statt sofort zurück nach Edinburgh und dort auf Futtersuche zu gehen.

Diesmal ist der Bus pünktlich. Edinburgh immer noch voll, kämpfen wir uns wieder durch die Menge.
Wir haben im Hotel die Koffer eingestellt, müssen diese nun abholen und im neuen Hotel ein cheken.
Wir nehmen uns ein Taxi, geben dem Fahrer die Adresse, sind der Meinung er fahre den richtigen Weg, sehen schon das Hotel in der Ferne, als der Fahrer unvermittelt rechts abbiegt.
Er hält vor einem Hotel, nicht unserem, findet er habe den Job gut erledigt.
"Nä-ä... you are wrong hä, this is not our Hotel"
Noch einmal gebe ich ihm die Adresse.
Zeige ihm ein Bild.
Aha, er nickt und fährt los. zwei mal links, einmal rechts und wir stehen vor dem richtigen Hotel.
Kurz aufs Zimmer, duschen und nochmals ins Taxi.
Wir würden gerne noch etwas erleben, ein wenig Edinburgh geniessen, bevor es morgen wieder nach Hause geht.
Leider sind wir bereits etwas spät dran.
Corinne gefällt das erste Pub nicht besonders, die vielen freien Plätze auf der Terasse scheinen sie abzuschrecken.
Ok, wir sind heute wählerisch.
Zehn Minuten vor Zehn finden wir ein Pub, finden zwei freie Plätze und erfahren zehn Minuten später das draussen jetzt Schluss sei und wir rein müssten.
Das sei so und das sei per Gesetz so.
Drinnen gefällt es uns nicht besonders. Wir "tschumpeln" zeillos durch die Stadt und stehen wieder vor dem ersten Pub. Von drinnen klingt Musik.
Gute Musik, Live Musik.
Gute Stimmung.
Also rein und mitfeiern.

Das Frühstück heute Morgen ist prima, keine Tamtam von wegen Hot Breakfest oder Kontinetal.. alles im Preis inbegriffen. Rührei mit Speck, alles da.
Geht ja.
Wir hauen uns die Bäuche voll, müssen um halb elf aus dem Zimmer sein.
Für den Rückweg zu Flughafen entschliessen wir uns diesmal für die Fahrt mit dem Bus.
Airport Connect.
Aber bevor wir connecten setzen wir uns auf der Royal Mile auf die Terasse eines Pubs.
Wir haben keine Eile. Unser Flieger geht erst um halb sieben.
Schnell haben wir Kontakt zu Schotten.
Ihnen gefällt wo wir her kommen. Interessieren sich für unsere Ansicht zum Brexit.
Die einen sind vorbehaltlos dafür, andere absolut dagegen.
Erstaunliche Entscheidungshilfen werden erklärt.
England sei fern, London interessiere sich nicht für Schottland und dessen Probleme, das mache Brüssel zwar auch nicht, aber es sei dann wenigstens nicht England.
Spannend.

Wir müssen nun doch los. Bushaltestelle, Bus, Flughafen, Terminal, Flugzeug, Fensterplatz, Zürich, Flughafen, Parkhaus, Auto finden, Zuhause.

Einmal mehr. Schottland ist toll.
Wir kommen wieder.

Und ganz herzlichen Dank an meine Arbeitskollegen für das mega tolle Geburtstagsgeschenk.
Ah ja und ganz herzlichen Dank auch an meine Mutter. Du bist die Beste.