Dienstag, 4. Juli 2017

13. Tag, das Nordkapp


Heute, ausgerechnet am 13. Tag unserer Reise, wollen wir das Nordkapp erreichen.
Wollen endlich an den Ort hoch oben im Norden, für den wir uns beinahe ein Jahr vorbereitet haben.
Klar, keine Expedition, keine unsäglichen Strapazen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten führt eine Strasse ans Nordkapp, in bester Qualität.
Dennoch, für uns eine Leistung und wir fragen uns wie es wohl sein wird.

Ein kurzes Frühstück, Rechnung bezahlen, Gepäck aufs Motorrad und los.
Klar, noch einmal tanken
Laut Garmin sind es noch 272 Kilometer bis ans Kapp und von da zurück nach Honningsvag, zu unserem nächsten Hotel.

Wir folgen der E6, passieren in Rafsbotn die letzten Häuser, wohl die letzten für die nächsten 100 Kilometer
Rafsbotn hatte 2013 387 Einwohner, auf einer Fläche von 0.32 Quadratkilometer.
Verrechne ich mich nicht, ergibt das in etwa 1,2 Einwohner auf 1 Quadratkilometer.
Mein Navi ergänzt, Rafsbotn liegt auf 24 M.ü.M.

Vor uns, neben uns, hinter uns, nichts als Weite. Ab und an eine kleine Hütte. Ziemlich bissiger Wind. Aber trocken. Obwohl ziemlich zügig unterwegs, bleibt viel Zeit um seinen Gedanken nach zu hängen.
"Hey, wenn der do d Zigarette usgöhnd, gohsch de ned eifach chorz zum Nochber"

Der Fotoapparat bleibt im Tankrucksack. Beeindruckende Weite, aber eben, ausser Weite kaum ein Sujet was sich anbietet.



Wir passieren an der Ostküste der Halbinsel Porsanger die Ortschaft Olderfjord.
E6 und E69 kreuzen sich hier.
Eine Tankstelle, ein paar Häuser, ein Campingplatz.
Wir interessieren uns für die Tankstelle. Ich korrigiere, ich interessiere mich für die Tankstelle.
Meine zwei Begleiter für die Kaffee Maschine.

Die Welt ist ein Dorf. Wir treffen auf eine Gruppe Zürcher Motorradfahrer. Sie sind bereits auf dem Rückweg vom Nordkap.

Nach kurzer Pause sind wir wieder auf der Strasse. Entlang der Oststküste. Hier gibt es den einen oder anderen Bewohner. Für eine gemeinsame Ausfahrt würde jedoch auch hier ein Toyota Hiace mit 15 Plätzen völlig genügen.

Vesterpollen ist denn auch die letzte Siedlung vor dem eigentlichen Nordkapptunnel.
Der Tunnel ist ein 6870 Meter langes, dunkles kaltes Loch. An seiner tiefsten Stelle führt uns 212 Meter unter den Meeresspiegel.
Die Baukosten beliefen sich auf ca 110 Mio Euro. Um die Kosten aufzubringen wurde eine Maut verlangt.
2012, zwei Jahre früher als geplant konnte die Maut abgeschafft werden, der Tunnel refinanziert.

Der Tunnel hat an seinen Enden automatische Tore welche sich bei einer bestimmten Temperatur schliessen. Einfach langsam darauf zu fahren, sie öffnen automatisch.

Wir sind nun auf der Insel Mageroya. Ob man es wissen will oder nicht, auch diese Insel war einmal von strategischer Bedeutung, durch deutsche Truppe im WWII besetzt, von Briten und Sowjets mehrfach bombardiert.
Beim Abzug der Wehrmacht wurde nahezu alle Gebäude zerstört, die Bevölkerung zwangs umgesiedelt.

Aktuell wohnen ca 7 Personen pro Quadratkilometer auf Mageroya, insgesamt ca 3100 Einwohner.

Honningsvag links und wir sind auf den letzten Kilometern zum Nordkapp.
Sehen einen grossen Parkplatz mit unzähligen Reisecars, werden uns bewusst das unser Ziel auch auf andere Touristen eine grosse Anziehungskraft besitzt.
Ein paar Kurven noch und wir sehen die "Kugel", das Monument.
Aber erst mal sehen wir gar nichts mehr ausser eine Nebelwand. Haben wir echt Pech und das Nordkapp liegt komplett im Nebel?

Wir stellen uns an an der Zahlstelle für den Parkplatz.
Wie wir die Gebühr für unsere 3 Motorräder bezahlt haben, verzieht sich der Nebel. Vor uns liegt das Ziel unserer Begierde.

Also rein ins Besucherzentrum.



Corinne haben es die beiden Trolle angetan. Matthias und ich wollen zur Kugel.

"Du... het ned mol soo vell Lüt wie beförchtet"


Klar, ein Foto mit der Kugel und unseren Motorrädern ist zur Zeit nicht möglich. Aber wir haben uns ja vorbereitet, haben einen Plan B.

So machen wir uns schon bald wieder auf den Weg zu unseren Bikes, verlassen das Kapp und fahren nach Honningsvag. In der Ortschaft fällt uns ein Schlagloch auf, quer über die Strasse. Es rumpelt ordentlich.

Wir haben ein tolles Hotel mitten im Ort. Überall Touristen welche Koffer, Taschen und Köfferchen aus Reisebussen ausladen, hinter sich herziehend durch Honningsvag zu ihren Hotels tippeln.

Schon bald sitzen wir beim Bier und beim Nachtessen. Heute ist ungewöhnlich früh die Pyjama Verteilung. Ja klar, der Wecker wird ja auch bereits um 00:30 Uhr wieder klingeln.


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