Montag, 6. März 2017

Jura Tour Anfangs März (das Norwegen Training)

Der Wetterbericht ist nicht leicht zu interpretieren. Regen, Schnee, Sturmböen, Sonne. Von allem etwas.
Und trotzdem, wir wollen raus, wollen Motorradfahren.
Wir sind ausnahmsweise zu dritt. Mathias begleitet uns. Steht pünktlich um 09:00 Uhr bei uns auf dem Parkplatz.
Wie üblich, auch dieses Mal, ich habe schlecht geschlafen. Sehr schlecht und vor allem sehr wenig.
Wir fahren in Kölliken auf die Autobahn und peilen den ersten Kaffestopp kurz vor Pieterlen an.
Es ist kühl, aber trocken. Teilweise blickt die Sonne durch die Wolken.
Auf der Jurakette liegt Schnee.
Zeifel befallen uns. Zweifel daran, ob die geplante Route so früh im Jahr möglich ist.

Pieterlen, Kafi Gipfeli. So langsam werd auch ich wach.


Wir haben uns entschlossen, machen in diesem Jahr wieder am FMS Pässewettbewerb mit.
Für mich ja nun beinahe Pflicht. Seit Februar bin ich Mitglied in der Tourismus Komission der FMS.
Hätte ich etwas sorgfältiger geplant, ich hätte uns die Stadt Durchfahrt in Biel erspart.
Mein Augenmerk galt anscheinend mehr dem Wetterbericht denn der Routenplanung.

"Jä no, do muesch dorä... hindä inä und vornä uesä"
Wie man auf die Idee kommt auf einer "Hauptstrasse" Rechtsvortritt einzuführen ist uns schleierhaft.
Die Bieler tun es.
Der Pässewettbewerb führt uns auf den "Mont Vully". Auf Deutsch "Wistenlacherberg" 653 m ü. M
Zwischen Murten-, Bieler- und Neuenburgersee gelegen.
Bereits auf diesem Hügelzug und zu Beginn des Pässewettbewerbs erneut die Erkentniss.... "Hermann, ohni dä Wettbewerb wär i im Läbe ned do hie cho"



Nach dem "Mont Vully" fahren wir noch ein mal ein Stück auf der Autobahn. Höhe Yverdon bin ich zu doof mein Navi richtig abzulesen.
So fahren wir einige Zusatz Kilometer.
Sooorry.


 Wir erreichen Orbe, nehmen den "Col du Mollendruz" in Angriff. Nach dem Sonnenschein auf dem "Mont Vully" bewahrheitet sich der zweite Teil der Wetterprognose. Sturmböen.
Wir halten dagegen, legen uns in den Wind wie ein Segelboot. Die Strasse hoch zum Übergang ist trocken, macht riesig Spass.
Runter zum "Lac de Joux" der nächste Teil der Prognose. Es beginnt zu schneien. Nur kurz, dann "schiffets".
Egal, wird nicht das letzte Mal sein dieses Wochenende.
"Col du Marchairuz, "Col de la Givrine", die nächsten beiden auf der Liste.
Corinne kommt in einer Kurve ins rutschen. Kein Schnee, die Strasse aber nass, kalt, ein Bitumenstreifen. Zusammen mit dem Michelin Pilot Power Hinterreifen eine eher ungünstige Kombination. Laut Mathias hätte vielleicht eine oder zwei Handbreit Platz gehabt, dann wär Felsen gekommen.
Wir "rauchen", analisieren, besprechen mögliche Fehler und was in solchen Situationen die bessere Reaktionsmöglichkeit sei.
Corinne denkt, "jo klar, schwätze der doch, i wett öich gseh".
Und mir geht durch den Kopf das sich an der Situation auf den Strassen nach wie vor nichts geändert hat in Punkto Bitumen Streifen. Diese Art der "Flickerei" ist echt einfach nur gefährlich für uns Motorradfahrer. Bleibt festzuhalten das wir keineswegs schnell unterwegs sind. Im Gegenteil. Und gerade deswegen geht das ganze ja auch glimpflich ab, gerade deswegen haben wir für solche Fälle genügend Reserven.

Die "D415", wir sind mittlerweile in Frankreich, macht irgendwie keinen Spass. Die Gegend wirkt heute ziemlich herunter gekommen, liegt aber wahrscheinlich am Wetter.
Wieder in der Schweiz, nochmals vorbei am "Lac de Joux", passieren wir in Le Creux erneut die Grenze.

In "Les Hopitaux-Vieux" versperrt uns ein Fahrverbot den Weg entlang der geplanten Route.
Anwohner gestattet, steht da. Es steht aber auch "Route barre" wegen Schnee.
Also umdrehen und weiter auf der N57. Zusammen mit unzähligen anderen.
Und schon staut sich der Verkehr. Zu Beginn sind wirt brav und artig, haben nach etwa 20 Minuten beinahe konstantem Stillstand die Schnauze voll und beginnen zu überholen.
Bevor jetzt die Moralapostel beginnen die Keule zu schwingen, ja, wir wissen es, es ist verboten, unmoralisch und sonnst noch ähnliches.
Wir tun es trotzdem.
Bevor die N57 in die D6 übergeht machen wir uns links weg aus dem Staub... äh Stau.
Ohne weitere Unannehmlichkeiten erreichen wir "L' Auberson". Hier beginnt die Auffahrt zum "Col de L'Aguillon".
Wir müssen aber schnell einsehen dass das heute nichts wird. Zu viel Schnee, kein durchkommen.

Der "Col des Etroits" jedoch ist offen, wir keine zehn Minuten von unserem Hotel entfernt.
Da wir davon ausgehen das auch der "La Bullatonne" nicht befahrbar ist, verzichten wir für heute auch auf den "Mont des Verrieres".
Auf dem Etroits noch kurz ein Foto für den wettbewerb und ab nach "Les Rasses", ab ins Hotel.

Wir sind am abladen des Gepäcks, wies blitzt und donnert. Wir sind also keinen Moment zu früh.
Einchecken, Badesachen aus den Taschen und ab in den Pool.
Das Wasser dürfte 10 Grad mehr haben.
Corinne lässts von Anfang an bleiben, Mathias und ich mimen die Harten, geben aber nach 30 Minuten auch auf.
Ab unter die Dusche, ab an die Bar, Hunger und Dorscht.
Für den Durscht gibts Bier, gegen den Hunger vorerst nichts anderes wie Salznüssli. Zuerst in kleinen Schälchen, wie dann Corinne auch zu uns stösst in einem kleinen "Eimerchen.
Goht jo.

19:30 Uhr dann das Nachtessen. Speisesaal ala "Belle Epoque" und so heisst auch das 5 Gang Menue.
Sehr fein. Anfangs ein wenig ein Kampf mit dem Brot, aber Corinne regelt das.

 Überraschung am Morgen.


Hoppla, Frau Holle hat sich ein wenig ausgetobt über Nacht.
Am Abend Witze gemacht, man erkenne das man mit dem Motorrad zur falschen Zeit am falschen ort sei, wenn im Hotel der Pistenbericht für den nächsten Tag ausgehängt werde.
Nun ist auch die letzte Prophezeiung eingetroffen. Schnee.
"Danke vell mol"


Aber erst gehts Mal an ein Ausgiebiges Frühstück.
Wie wir fertig gepackt und umgezogen sind, scheint die Sonne, der Schnee auf der Strasse ist weg.
Tip top.
Den "La Tourmande" könne wir aber trotzdem nicht befahren, müssen umdrehen. Wegen zu geschlossen.
"Denn halt need"

Üer den "Col des Etroits" zurück wo wir gestern hergekommen sind fahren wir nun trotzdem zum "Mont des Verrieres". Dieser wäre eigentlich für den Vortag eingeplant gewesen. So fahren wir nun also heute.
Und da bei Traumwetter.


Die Strassenbedingungen wechseln zwischen Trocken, Nass und Schneebedeckt.
"mächt nüüt, aues fahrbar"


Wir gelangen nach "Fleurier".
Bis 2008 eine eigene politische Gemeinde, gehört Fleurier nun zusammen mit Boveresse, Buttes, Couvet, Les Bayards, Môtiers, Noiraigue, Saint-Sulpice und Travers zur neuen Gemeinde Val de Travers.

Wieder auf der ursprünglich für heute Sonntag geplanten Route unterwegs fahren wir hoch zum "Montagne de Travers"



Mega schön. das Wetter passt auch. Aber wohl nicht mehr lange.
Auf dem "La Tourne" gibts mal wieder einen kurzen Kafi halt. Draussen an der Sonne.




Wir geniessen, die Aussicht, die Sonne und den Kaffe. Brechen aber schon bald wieder auf. Zum einen zieht Wetter auf, zum anderen sind wir noch genügend weit von zuhause weg um gehörig nass zu werden.
"Mont Croisin" ist der nächste auf der Liste. Es ist kalt und stürmt. Die "Dicke" kriegt einen Schluck Öl.
Über Feld- und Waldwege passieren wir in "Burnevillers" die "grüne Grenze" Via der D201 und der D140 gehts hoch zum "Col de Montvoie".
Wie geil ist das denn. Es geht im gestreckten Galopp hoch zu Passhöhe.
Das Pässchen ist der Hammer.
Runter nach "Pruntrut", einmal quer durch Gourgenay, Gilberte ist zu Hause im trockenen, es giesst.
Über den "Col de la Croix", schnell das Tal gewechselt und in St. Ursanne wieder hoch. Diesmal zum "La Caquerelle".
Es giesst nicht mehr, jetzt "seichts in Ströööme"
Vorbei an den Grotten von "Sainte Colombe", durch Souboz hoch zum "Les Ecorcheresses".

Kurz nach der Schlucht, sehe ich rechts einen Parkplatz. Tip top, will hier kurz auf Corinne warten, übersehe die Kette mit der der Parkplatz vor unbefugten "Gästen" geschützt wird.
Im letzten Moment nehme ich etwas wahr, steige voll in die Eisen.
Boom.. die beiden Sockel links und rechts, an welchen die Kette festgemacht sind, gehen zu Boden.
Passiert ist weder den Sockeln noch mir, noch meinem Motorrad etwas.
Ich bin mir aber sicher, die Geschichte wird ein Nachspiel haben. Ich sehe wie wir durch eine Türe mit dem Feldstecher oder Fotoapparat beobachtet werden.
Wie ich aber auf das Haus zugehe um mich wie es sich gehört zu melden, verschwindet die Person hinter der Türe.
"Ok, de haut ned"

Wir erreichen die Passtrasse zum "Scheltenpass". Aus Regen wird dichter Schneefall. Ich sehe kaum mehr aus dem Helm. Muss immer weider den Schnee wegwischen.
Etwas später am Tag und wir müssten wohl umdrehen.
So aber geht es sich knapp aus.
Wir schiessen unser letztes Foto für diese Tour.



Insgesamt sind es dieses Wochenende doch 14 Pässe geworden.

Auch wenn das Wetter bescheiden war, die Strassen teilweise ein "Mikro Mü" entfernt von unfahrbar, hats uns riesigen Spass gemacht.
Wir nennen es zu Hause "das Norwegen Training". Und irgendwie passt das auch.
Auch dort werden wir wohl kaum nur tolles Wetter haben.
Wünschenswert zwar, aber wohl nicht realistisch.

Irgendwann gibts dann noch Videos.
Die Tour als GPX gibts hier.



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