Sonntag, August 14, 2016

vom Jura ins Wallis

So, nach unserer Tour durch Schottland, Irland und England sind wir nach beinahe zwei Monaten Abstinenz wieder auf dem Motorrad.
Für uns eine ungewohnt lange Zeit und das bei teilweise bestem Wetter.
Warum eigentlich?
Irgendwie habe ich die letzten Tage und Wochen den Arsch nicht hoch bekommen, fands grad unheimlich reizvoll meine Freizeit auf dem Sofa zu verbringen.
Überhaupt scheine ich die gepflegte Langeweile etwelchen Aktivitäten vor zu ziehen.
Nicht das mir dieser Umstand nicht aufgefallen wäre, auch nicht das ich meine Begeisterungsfähigkeit, meine Spontanität dem Leben gegenüber eingebüsst habe.
Im Gegenzug dazu, schnell gereizt, explosiv... ein richtiger Senkrechtstarter, der wegen Kleinigkeiten grad durch die Decke geht.

Wieso?

Ich vermute mal, eines der Medikamente, von den Ärzten am Kantonsspital aufs Auge gedrückt, bekommt mir nicht.
Ich "google".
Der Übeltäter scheint schnell gefunden. Erfahrungsberichte, im Internet zu finden, bestätigen den Verdacht.
Weshalb soll ich dieses Medikament eigentlich schlucken? Ist es auf mich zugeschnitten?
Oder entspricht es einfach einer Standart Medikamentation welche "immer" angewendet wird wenn irgendwo ein Herz ein wenig Mucken macht?

Jedenfalls, ich entschliesse mich die Pille ab zu setzen, zu beobachten ob sich was ändert.
Und nein, ich Frage nicht den Arzt oder Apotheker. Ein zwei Wochen ohne, werden mich kaum umbringen.

Also, wir starten gegen zehn bei prächtigem Sonnenschein und bereits warmen Temperaturen in Richtung Solothurner Jura.
Meine Laune ist mässig. Die von Corinne eher euphorisch, endlich kann sie mal wieder am Kabel ziehen.

Über die "Bättlerchuchi" gehts Richtung Balmberg.
Die Bättlerchuchi liegt oberhalb der Gemeinde Farnern.
Zu ihrem Namen gibt es unterschiedliche Geschichten, jedoch scheinen schon die Römer den Übergang gekannt zu haben.
Gefundene Römische Münzen deuten jedenfalls darauf.

Der Balmberg weist ein par beeindruckende Kehren auf, führt über 1078 MüM von Welschenrohr nach Günsberg.
Mehrere Male führte auch die "Tour de Suisse" über den Balmberg.

Spontan überkommt mich eine Idee für die Fortsetzung der heutigen Tour.

Bei Solothurn fahren wir auf die Autobahn Richtung Biel, verlassen diese in Lengnau in Richtung Büren an der Aare.
Büren ist wohl schweizweit bekannt für seine Holzbrücke. Man sagt sie hätte ähnlich wie eine Katze, sieben Leben.
Acht Mal wurde sie durch Hochwasser oder Feuer zerstört, das letzte Mal 1989 durch separatistische Hitzköpfe welche sie kurzerhand abfackelten.

Die Brücke steht, wir fahren über Land in Richtung Bern, schrammen knapp an den Vororten der Hauptstadt vorbei.
In Riggisberg gehts auf die Passtrasse zum Gurnigel.
Meine Laune ist deutlich besser als noch vor Stunden.

Kann das sein?

Wir geniessen kurz die Aussicht, haben aber keine Lust uns im Restaurant in den Trubel zu setzen




.


Weiter gehts vorbei am Lac Gruyere Richtung Jaun Pass. Verlassen die Passstrasse noch vor erreichen der Passhöhe. Wir wollen über den Abländschen nach Gstaad.

Unterwegs sticht uns das Restaurant Zitbödeli ins Auge.
War das schon immer da?
Die einladende Terrasse fällt uns heute zum ersten Mal auf.
Es ist halb vier und ich hab ein riesen Loch im Bauch.


"För mech bitte s Tagesmenue, för s Frölein e Gulaschsuppe"

Was serviert wird überzeugt auf ganzer Linie.
Der Service ist freundlich, fröhlich, aufgestellt.
Grad gestern haben wir das Gegenteil erfahren.

Abländschen, Mittelberg.


Esch scho schön wenns schön esch denk ich mir.
Erinnerungen an eine andere Tour werden wach... wir lachen, nein, keine Experimente heute.

In Gstaad wird ein Tankstopp fällig. die Dicke säuft über sieben Liter auf hundert.
Feutersoey, eigentlich Gsteig, es geht hoch zum Col du Pillon.
Wieder einmal haben wir die Strasse für uns. Kein Verkehr. Herrlich.
Ich fühle mich grossartig.

In Ormont Dessus biegen wir ab auf die Passstrasse zum Col de la Croix.
Die Strasse hoch zum Pass ist eher ein Wellblech. Dennoch, wir lieben diesen Pass.


Noch vor der Passhöhe halten wir an, geniessen die Aussicht hinunter ins Saanental


Mit jedem Meter den wir weiter ins Tal hinunter fahren wirds wärmer. In Aigle sinds dann selbst jetzt, kurz vor fünf Uhr Abends noch 30 Grad.
Spontan entscheiden wir uns gegen den Col des Mosses und für den Les Agites.
Die Passtrasse führt vom Walliser Ort Yvorne über 1569 M.ü. M. nach La Lecherette.
Der Tunnel de la Sarse ist nur Einspurig befahrbar. Die Fahrtrichtung wechselt jeweils zur vollen Stunde.
Wir sind kurz vor sechs Uhr vor dem Portal, müssen kurz warten.





Vorbei am Lac de l'Hongrin geht es auf der Militärstrasse Richtung Chateau d'Oex. Die Schweizer Armee nutzt diese Strasse für die Fahrausbildung schwerer Militärfahrzeuge.
Aus diesem Grund ist sie nur an Wochenenden für den privat Verkehr geöffnet.

Auf der Passtrasse von Chateau d'Oex fällt uns ein "Wadtländer" auf. Sein Fahrstil zügig bis Rücksichtslos. Seine Überholmanöver sind dermassen Halsbrecherisch das uns teilweise der Atem stockt.
Hoffentlich wird dieser Idiot nächstens aus dem Verkehr gezogen bevor er Unheil anrichten kann.
Wir überlegen uns ob man solche Deppen nicht einfach anzeigen soll.

Bei Bulle fahren wir auf die Autobahn, halten kurz auf der Raststätte Grauholz und sind gegen zwanzig nach acht zu Hause.

Bei einem Bier auf dem Balkon lassen wir den Tag ausklingen. Sind Müde aber zufrieden.
Ein toller Tag.


Reaktionen:

1 Kommentar:

  1. Kenne das au mit lustlosigkeit zwüschedore, ha zum Glück öper wo mir de mängisch d Auge öffnet und mi überzügt dass es besser isch echli use z go. Meistens gohts nochher besser und mer verstoht die tagelangi Unlust no weniger. Schön hesch de Rank gfunde, so hämmer wieder tolli Gschichte zum läse.

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